Schaubild einer Kraftanzeige von 0 bis 300 Newton für die Rückstoßkraft an der Handlanze, markiert sind die Schwelle bei 150 Newton und die Obergrenze bei 250 Newton
05.11.2026
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Rückstoß an der Handlanze: was über 150 Newton gilt und wo die Grenze liegt

Wer am Spülfahrzeug zur Handlanze greift, hält mehr als ein Rohr mit Düse. Der Wasserstrahl drückt mit jedem Liter zurück, und diese Kraft nimmt der Mensch am anderen Ende auf, mit Armen, Schultern und Stand. Für sie nennt die DGUV Regel 100-500 zwei feste Zahlen: 150 und 250 Newton.

Zwei Grenzen in der Längsachse

Die Zahlen stehen in Kapitel 2.36, „Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern“, Abschnitt 3.7.5. Die aufzunehmende Rückstoßkraft darf in der Längsachse der Spritzeinrichtung 250 Newton nicht überschreiten. Übersteigt sie 150 Newton, dürfen nur Spritzeinrichtungen eingesetzt werden, bei denen besondere Maßnahmen die Kraft zumindest teilweise auf den Körper übertragen.

Auf ein kleines Wort kommt es dabei an. Die Regel sagt über 150 Newton, nicht ab 150. Und die 250 Newton bleiben die Obergrenze, auch mit Stütze. Zur Einordnung: 150 Newton entsprechen der Gewichtskraft von rund 15 Kilogramm, 250 Newton der von rund 25 Kilogramm. Das ist ein Vergleich, kein Wert aus der Regel.

Neu sind die Zahlen nicht. Gleichlautend stehen sie schon in der Vorgängerfassung GUV-R 500 und gehen auf eine Unfallverhütungsvorschrift von 1993 zurück. Wir zitieren hier die Ausgabe vom März 2017.

Diese vier Wege nennt die Regel als Beispiele. Andere Lösungen sind möglich, wenn sie Sicherheit und Gesundheit in gleicher Weise schützen. Welche Lösung passt, legt die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs fest.

Der Durchfluss bestimmt die Kraft

Der Rückstoß hängt am Wasser, das die Düse pro Minute verlässt, und an der Geschwindigkeit, mit der es austritt. Wie schnell das über die Grenze führt, zeigt das Datenblatt eines Düsenherstellers für eine einfache Rundstrahldüse. Mit einer Bohrung von 2,0 Millimetern sind es bei 200 bar 112 Newton, bei 300 bar 168 Newton und bei 500 bar 280 Newton. Eine Düse mit 3,0 Millimetern kommt schon bei 200 bar auf 252 Newton.

Gleicher Druck, größere Bohrung, mehr als doppelter Durchfluss: und die Lanze liegt über der Grenze. Bei gleichem Druck verdoppelt doppelter Durchfluss die Kraft.

Zum Nachrechnen eignet sich eine Faustformel, abgeleitet aus dem Impulssatz, für einen einzelnen Strahl in Achsrichtung: Rückstoß in Newton gleich 0,236 mal Durchfluss in Litern pro Minute mal Wurzel aus dem Druck in bar. Bei 150 bar und 100 Litern pro Minute ergibt das rund 289 Newton. Die Formel ist idealisiert, sie kennt keine Verluste in der Düse und keine schräg gestellten Strahlen. Die Werte des Herstellers trifft sie auf wenige Prozent, maßgeblich bleibt trotzdem seine Angabe. Setzen Sie den Druck an der Düse ein. Wer den Pumpendruck nimmt, rechnet zu hoch und liegt damit auf der sicheren Seite.

Jeder Düsenwechsel zählt

Den Satz schreibt die Regel gleich zweimal, bei den Rückstoßgrenzen und noch einmal bei der Instandhaltung. Wer in der Werkstatt eine Düse tauscht, ändert die Kraft an der Lanze. Wie Düse, Pumpe und Schlauch zusammenpassen, haben wir im Beitrag zur Düsenwahl beschrieben.

Zwei weitere Zahlen aus Abschnitt 3.7 gehören dazu. Fehlt in der Betriebsanleitung eine Angabe zum Betriebsüberdruck, darf die Spritzeinrichtung mit höchstens 25 bar betrieben werden. Und mehrere Spritzeinrichtungen dürfen nur dann an einem Druckerzeuger laufen, wenn das Öffnen und Schließen einer davon bei den übrigen keine schlagartige Änderung des Rückstoßes von mehr als 15 Prozent auslöst.

Gilt das auch für die Düse im Kanal?

Dieselbe Regel zählt Kanalreinigungsanlagen ausdrücklich zu den mechanisch geführten Spritzeinrichtungen. Mechanisch geführt heißt dort: Die Rückstoßkraft muss nicht mehr von der Person aufgenommen werden, die das Gerät führt. Beim Spülschlauch mit Düse im Rohr nehmen nach unserem Verständnis Schlauchtrommel, Schlauchführung und Fahrzeug die Kraft auf.

Wir lesen die Newton-Grenzen deshalb als Grenzen für alles, was ein Mensch in der Hand hält: Handlanze, Pistole, Strahlrohr. Eine Grenze in Newton für die Düse im Kanal haben wir nicht gefunden. Für die Rohrreinigung mit Schlauch nennt die Regel eigene Pflichten, etwa eine Markierung am Schlauch, die den Austritt der Düse rechtzeitig erkennen lässt. Wo jemand den Schlauch beim Einführen von Hand führt, entscheidet aus unserer Sicht die Gefährdungsbeurteilung, ob er Rückstoß aufnimmt.

Rückstoß gehört in die Unterweisung

Unterwiesen wird vor der ersten Tätigkeit und danach mindestens einmal im Jahr. Die Regel nennt dabei die Gefahr durch Rückstoß ausdrücklich. Inhalt und Zeitpunkt werden schriftlich festgehalten und von den Unterwiesenen unterschrieben. Handlanzen werden nur von einem sicheren Standplatz aus geführt, Leitern und Behelfsgerüste zählen laut Regel nicht dazu. Und die Betätigung darf in der Einschaltstellung nicht festgesetzt werden.

DGUV Regeln beschreiben, wie ein Betrieb seine Schutzziele erreicht, andere gleichwertige Lösungen sind erlaubt. Der Beitrag ersetzt keine Beratung durch die Berufsgenossenschaft. Wann die Technik selbst geprüft werden muss, steht im Beitrag zur Prüfpflicht der Hochdrucktechnik.

Düsen und Ersatzteile finden Sie in unserem Lieferprogramm. Ansprechpartner für Hochdrucktechnik ist bei uns Mario Hackel. Rufen Sie an unter 0451 / 8 999 334 und halten Sie Pumpe, Druck und Durchfluss bereit. Schreiben Sie uns gerne auch an info@kommunaltechnik-segler.de.