Schaubild zum Druckverlust im Spülschlauch: 170 bar am Manometer, 121 bar an der Düse nach 120 Metern und 89 bar nach 200 Metern im Gummischlauch DN 25
22.10.2026
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Die richtige Düse: warum das Manometer nicht zeigt, was im Kanal ankommt

170 bar zeigt das Manometer am Fahrzeug. An der Düse, 200 Meter weiter, sind es noch 89.

Die Zahlen stammen aus dem Merkblatt 12.1 des Rohrleitungssanierungsverbands (RSV), gerechnet für eine Pumpe mit 330 Litern pro Minute und einen Gummischlauch der Nennweite DN 25, also ein Zoll. Nach 120 Metern kommen dort 121 bar an. Für die Auslegung zählt der Druck an der Düse, also der Manometerdruck abzüglich Schlauchverlust.

Der Schlauch nimmt sich seinen Teil

Der Verlust hängt an Wassermenge, Innendurchmesser, Länge und Material des Schlauchs. Am meisten bringt der Durchmesser. Bei 408 Litern pro Minute und DN 32 kommen im selben Merkblatt nach 120 Metern von 175 bar noch 153 an, obwohl mehr Wasser fließt. Mit einem Kunststoffschlauch kommen im ersten Beispiel nach 120 Metern 131 statt 121 bar an.

Das IKT in Gelsenkirchen misst solche Werte an echten Fahrzeugen. Bei einem seiner Fahrzeug-Checks waren Druckverluste von über 50 Prozent zwischen Fahrzeug und Kanal keine Seltenheit, Schlauch und Düse zusammengerechnet. Das Institut schreibt selbst, dass der tatsächliche Druck an der Düse den Betreibern oft nicht bekannt ist.

Der Druck stellt sich ein

Die DGUV Regel 100-500 beschreibt den Betriebsüberdruck als den Druck, der sich bei einem bestimmten Volumenstrom mit der zugehörigen Düse am Druckerzeuger einstellt. Bei gegebener Fördermenge ergibt sich der Druck am Fahrzeug also aus Düsenbestückung und Schlauchverlust. Verändern lässt er sich über die Drehzahl.

In Düsenkatalogen steht dafür ein Wert, der beides verbindet, zum Beispiel Liter pro Minute bei 100 bar. Passt dieser Wert nicht zur Pumpe, geht es in zwei Richtungen schief. Sind die Bohrungen zu groß, baut sich zu wenig Druck auf, die Leitung wird nicht sauber, und es wird nachgespült. Das kostet Zeit, Wasser und Diesel. Sind die Bohrungen zu klein, kann am Druckerzeuger Überdruck entstehen, und dasselbe gilt für zugesetzte Düsen.

Düseneinsätze aus Keramik halten nach Herstellerangaben deutlich länger als gebohrte Stahldüsen. Verschleißfrei sind auch sie nicht. Der Blick auf die Einsätze gehört deshalb vor jeden Einsatz.

Welche Düse wofür gedacht ist

Die klassische Kanalreinigungsdüse hat Schubstrahlen nach hinten. Sie ziehen den Schlauch in die Leitung, beim Rückzug spülen die Strahlen das gelöste Material zum Schacht. Gedacht ist sie für Schlammablagerungen und Verstopfungen. Die Granatdüse löst Fett und Sielhaut von der Rohrwand und räumt loses Material wie Kies, Geröll und Steine. Die Stocherdüse mit Vorstrahl nimmt man, wenn eine Leitung vollständig verstopft ist und erst ein Durchgang geschaffen werden muss.

Rotationsdüsen arbeiten an der Rohrwand, gegen Fett, Wurzelansätze und Verkrustungen. Der Sohlenreiniger ist für große Profile gedacht und arbeitet im Sohlenbereich. Kettenschleuder und Fräse schließlich sind für Wurzeln, Kalk und Betonreste gedacht. Das gehört nicht mehr zur normalen Hochdruckspülung.

Der Strahlwinkel entscheidet mit, wie stark die Rohrwand belastet wird. Je flacher die Strahlen nach hinten laufen, desto geringer ist die Kraft auf die Wand. In den Tabellen des RSV steht der Sohlenreiniger mit höchstens 5 Grad, die Kanalreinigungsdüse mit höchstens 30 und die Rotierdüse mit 90 Grad.

Im sanierten Rohr gelten engere Grenzen

Die DIN 19523 nennt für Liner und Kunststoffrohre keinen Höchstdruck in bar. Sie prüft die Spülfestigkeit mit einer Spülstrahlleistungsdichte von 330 Watt je Quadratmillimeter. Was das in bar bedeutet, hängt von Düse, Schlauch und Pumpe ab. Maßgeblich bleiben die Angaben des Rohrherstellers.

Der RSV gibt für renovierte Leitungen Näherungen an die Hand, für den Fall, dass keine genaueren Spülleistungsdaten vorliegen. Düsen mit weniger als 15 Grad Strahlwinkel sind in der Regel unkritisch. Bis 30 Grad sollten an der Düse höchstens 70 bar anliegen. Darüber muss die Spülleistung kontrolliert und im Zweifel begrenzt werden.

Rotationsdüsen rät der Verband in sanierten Leitungen möglichst zu vermeiden. Wenn es sie braucht, dann mit verschlossenen 90-Grad-Einsätzen und einem Käfig, der Abstand zur Rohrwand hält. Kettenschleuder und Fräse gehören dort laut RSV nur nach sorgfältiger Vorüberlegung ins Rohr, weil sie den Liner beschädigen können.

Welche Angaben zur Düse gehören

Halten Sie für Ihre Anfrage diese Angaben bereit: Fördermenge und Höchstdruck der Pumpe, Nennweite, Länge und Material des Schlauchs, das Anschlussgewinde, Durchmesser und Werkstoff der Leitungen, in denen Sie hauptsächlich arbeiten, die Art der Verschmutzung und die Wasserart. Sagen Sie auch dazu, ob Sie in sanierten Leitungen spülen.

Was rund um die Düse gilt

Die DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.36, verlangt unter anderem drei Dinge. Vor dem Düsenwechsel wird der Druck in allen Teilen vollständig abgebaut. Am Schlauch sitzt eine sichtbare Markierung, die rechtzeitig anzeigt, dass die Düse gleich aus dem Rohr kommt. Und ein unbeabsichtigter Austritt der Düse aus dem Rohr muss verhindert sein. Die Regel verlangt außerdem die jährliche Prüfung der ganzen Anlage.

Die BG Verkehr ergänzt in ihrer Checkliste für Kanalarbeiten, dass ein Spülgerät im Kanal nicht umkehren können darf. Sie nennt dafür zwei Wege, den passenden Düsendurchmesser und eine steife Verlängerung zwischen Schlauch und Düse.

Rohr- und Kanalreinigungsdüsen und Hochdruckspülschläuche finden Sie in unserem Lieferprogramm. Ansprechpartner für Hochdrucktechnik ist bei uns Mario Hackel. Rufen Sie an unter 0451 / 8 999 334. Schreiben Sie uns gerne auch an info@kommunaltechnik-segler.de.